
AI-Expertin Dr. Tina Klüwer gibt Einblicke in KI, zukunftsfähige Geschäftsmodelle und die Balance zwischen Technologie und Mensch. (Fotocredit: Anja Kunack, K.I.E.Z.)
elevatr: Tina Klüwer, Sie bewegen sich seit Jahren an der Schnittstelle von KI, Start-ups, Wirtschaft und Politik. Was ist aus Ihrer Sicht der größte Denkfehler, den Unternehmen aktuell beim Thema Künstliche Intelligenz machen?
Dr. Tina Klüwer: Es ist schön zu sehen, dass die deutschen Unternehmen eine große Aktivität im Bereich KI zeigen. Quasi jedes Unternehmen prüft aktuell, wie es von KI profitieren kann. Allerdings sind viele Unternehmen vor allem auf Effizienzgewinne orientiert. Natürlich ist KI ein geeignetes Werkzeug für mehr Effizienz und Kosteneinsparungen. Aber KI lediglich als optimiertes Prozesstool einzusetzen, kratzt nur an der Oberfläche dessen, was man mit der Technologie machen kann.
Was wäre stattdessen der bessere Weg?
Richtig spannend wird es, wenn Unternehmen mit KI Mehrwert durch neue Produkte und Features anbieten. Das generiert Wettbewerbsvorteile, die auch in ein paar Jahren noch einen Unterschied machen. Selbiges gilt für die Frage, welche neue Qualität in der Arbeit man mit der Hilfe von KI erreichen kann.
„Führungskräfte müssen lernen, wann Systeme bessere Entscheidungen treffen.“
Das upnxt Hospitality Festival by elevatr steht für Zukunft, Mut und Aufbruch. Welche Kompetenzen werden Führungskräfte in fünf bis zehn Jahren dringend brauchen, die heute noch unterschätzt werden?
In den nächsten Jahren wird eine schnelle Anpassungsfähigkeit von Menschen und Systemen immer wichtiger werden. Neue Technologien und Arbeitsweisen entwickeln sich immer rasanter. Das gilt es zu bewerten und umzusetzen, ohne dabei das Team zu verlieren. Parallel dazu wird Sinnstiftung zur Kernkompetenz. Je mehr sich automatisiert, desto wichtiger wird es, Menschen Orientierung zu geben. Schon jetzt sehe ich einen steigenden Bedarf an Führungspersönlichkeiten, die nicht nur managen, sondern Visionen glaubwürdig transportieren. Außerdem müssen Führungskräfte lernen, wann andere oder Systeme bessere Entscheidungen treffen. Das erfordert Demut und gleichzeitig ethische Urteilskraft.
Sie sprechen viel über technologische Souveränität. Was bedeutet das konkret für mittelständische Unternehmen und warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, sich damit auseinanderzusetzen?
Technologische Souveränität, wie ich sie in meinem Buch „Zukunft made in Germany“ definiere, ist nicht nur ein politisches Buzzword, sondern betrifft Unternehmen ganz direkt. Es ist wichtig, zu verstehen, wo man kritisch abhängig ist und dann bewusst Alternativen aufzubauen, bei Software-Anbietern genauso wie bei Lieferketten. Die Robustheit des eigenen Geschäftsmodells muss regelmäßig geprüft werden: Sind meine Lieferketten stabil? Bin ich abhängig von Herstellern aus Ländern, mit denen sich Konflikte anbahnen? Es geht nicht um Autarkie, sondern um strategische Redundanz an den richtigen Stellen. Unternehmen, die jetzt diversifizieren, haben morgen einen massiven Wettbewerbsvorteil.
„Je mehr sich automatisiert, desto wichtiger wird es, Menschen Orientierung zu geben.“
Wenn Sie der Hotellerie einen Impuls zum Jahresstart mit auf den Weg geben dürften, welcher wäre das?
Ich würde raten, in die Robustheit von Geschäftsmodellen und Innovationen zu investieren. Es lohnt sich, mutig mit neuen Technologien und Arbeitsweisen zu experimentieren, aber dabei den Menschen nie aus dem Blick zu verlieren, weder die Gäste noch die Mitarbeitenden. Die Unternehmen, die es schaffen, Resilienz aufbauen und Innovation voranzutreiben, werden die nächsten Jahre prägen. Damit sollte jetzt niemand mehr warten.
Interview: Alexandra Leibfried
Live auf der Bühne:
Dr. Tina Klüwer beim upnxt Hospitality Festival von elevatr! Am 23. & 24. Juni 2026 im silent green Kulturquartier Berlin – sei dabei, wenn Visionen auf echte Begegnungen treffen. Inspiration, Insights und Innovation für die Hotellerie warten auf dich.
➤ ➤ Mehr Infos: hospitalityfestival.de








