
Katharina Darisse, Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende Fair Job Hotels (Fotos: Studio Vom Berg)
elevatr: Vervollständige den Satz: Meine Arbeit macht mich glücklich, wenn …
Katharina Darisse: ... ich sehe, wie bei einer unserer Veranstaltungen ein Fünkchen Wissen in Form einer HR-Idee überspringt. ...ein Azubi mir sagt, dass er ohne uns niemals Hugo Boss kennengelernt hätte und ...ich die Herzlichkeit spüre, mit der sich unsere Community beim Wiedersehen begrüßt.
Mich kurz zu fassen, fällt mir hier wirklich schwer. Denn ich erlebe dankenswerterweise echt viele Glücksmomente.
Beschreibe Fair Job Hotels in drei Worten:
Progressiv. Verbindlich. Herzlich.
Was macht eine gute Unternehmenskultur aus?
Dass sie gespürt wird.

Welche drei Werte leiten dich als Leaderin?
Positivität. In meiner beruflichen Zeit in Beijing habe ich von meinen chinesischen Kollegen dies gelernt: Erst JA zu sagen und dann zu überlegen, wie man es schafft, ist manchmal befreiend und der richtige Weg. Das passt zu meiner Einstellung: Wo ein Wille, da ein Weg!
Verbindlichkeit. Als Norddeutsche liebe ich das Prinzip des ‚Ehrbaren Kaufmanns‘. Ein Handschlag gilt. Wenn ich sage, dass ich etwas tun werde, will ich es unbedingt einhalten. So entsteht Vertrauen.
Befähigung. Nicht nur als Leaderin, sondern einfach als Mensch habe ich viel Freude daran, andere zu vernetzen, zu helfen oder die unternehmerischen Ideen meiner Freunde gemeinsam durchzuspielen. Egal ob bei der American Women’s Association in Hong Kong, in meinem Rotary Club, dem Netzwerk Ladies Mentoring, im Freundeskreis oder eben bei Fair Job Hotels:
Andere zu befähigen und nicht das, was ich habe, nur zu meinem Vorteil zu nutzen, finde ich wichtig. Das macht uns als Menschen doch auch aus!
Was würdest du einem Hospitality Talent vorm ersten Tag mit auf den Weg geben?
Mache keinen Unterschied zwischen dem Front- und Back of House, Kollegen oder Gästen.
Das beruht ein bisschen auf meiner prägenden Erfahrung bei Ritz-Carlton, wo ich denselben freundlichen, hilfsbereiten und respektvollen Ton imTeam erlebt habe wie vor dem Gast. Das Arbeitsumfeld war fantastisch.
Und dann: Nimm jede Möglichkeit mit, mehrzu tun! Projekte, Workshops, Caterings... am Ende des Lebens erfüllt einen nicht die Frage, ob man stets im Rahmen seiner Arbeitszeiten gearbeitet hat, sondern, was man erlebt, gelernt und geschaffen hat. Unvergesslich für mich: Ein Catering auf der Chinesischen Mauer oder die Organisation des Deutschen Hauses während der Olympischen Spiele 2008. Nur durch unseren tollen Beruf konnte ich das von innen erleben!
Der beste berufliche Ratschlag, den du selbst mal bekommen hast?
Gehe immer vom Wahrscheinlichsten aus. Manchmal trifft man Entscheidungen, die – wenn sie schief gehen – weitreichende, negative Folgen nach sich ziehen könnten. Um nicht ängstlich durch das Leben zu gehen oder sich vor den privaten und beruflichen Verantwortungen zu fürchten, überlege ich mir immer was ‚the most likely outcome‘ ist. Man stellt schnell fest, dass viele Angstszenarien sich eher in unseren Köpfen abspielen, als in der erlebten Realität. Den Rat habe ich übrigens von meinem Vater erhalten.
Welche Skills sollte man als HR-Manager mitbringen?
Im modernen HR vereinen sich im Idealfall drei Rollen: die des Controllers, des Psychologen und des Verkäufers. Diese Kombination kann kaum eine einzelne Person vollständig abdecken. Deshalb wachsen HR-Abteilungen, spezialisieren sich stärker oder lagern einzelne Funktionen gezielt aus.
Wo liegen die Prioritäten?
Zunächst braucht HR heute eine klare strategische Kompetenz. Es geht darum, die Bedarfe der Organisation zu erkennen, sie einzuordnen und gegenüber der Geschäftsführung überzeugend zu vertreten. Dafür sind belastbare Kennzahlen, ein gutes Kostenverständnis und die Fähigkeit, fundierte Business Cases aufzubauen, unerlässlich.
Mindestens genauso wichtig ist jedoch das Verständnis für den Menschen – für bewusstes und unbewusstes Verhalten. Motivation, Führung und Persönlichkeitsentwicklung sind zentrale Themen. Gerade in der Hotellerie ist der Mensch der entscheidende Erfolgsfaktor: Er schafft Atmosphäre, Qualität und echte Erlebnisse. Ihn zu verstehen, ist die Grundlage guter HR-Arbeit.
Wie genau gelingt diese Menschlichkeit?
Es geht darum, Menschen wirklich zu gewinnen, zu überzeugen, emotional an das Unternehmen zu binden und sie langfristig zu halten. Dafür braucht es ein Verständnis für Marketing, für digitale Kanäle und für eine zeitgemäße Ansprache von Zielgruppen.
Human Resources ist heute ein hochkomplexes und gleichzeitig unglaublich spannendes Arbeitsfeld. Selten war es so herausfordernd und so wirkungsvoll, im HR zu arbeiten wie jetzt.
Fair Job Hotels feiert dieses Jahr sein 10jähriges Jubiläum: Was wünschst Du Dir für Fair Job Hotels in weiteren zehn Jahren?
Ich wünsche mir, dass wir 2036 stolz sagen können: Trotz der großen Austrittswelle der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt ab 2030 ist es uns gelungen, weiterhin echte Talente für unsere Häuser zu gewinnen.
Und ich wünsche mir, dass Fair Job Hotels auch dann noch ein Ort ist, an dem junge und erfahrene Hoteliers selbstverständlich zusammenkommen zum Austausch, zum Lernen und zur gemeinsamen Weiterentwicklung. Und, dass es für Hotels aufgrund des spürbaren Mehrwerts klar ist, Teil von Fair Job Hotels zu sein.
Außerdem wünsche ich mir, dass wir uns als Arbeitgeber-Initiative fest etabliert haben, mehrfach ausgezeichnet sind, uns branchenübergreifend exzellent vernetzt haben und sichtbar als Impulsgeber in einer, dann hoffentlich wieder wachsenden, deutschen Wirtschaft stehen.
Welche Superkraft hättest du gerne und was würdest du damit anfangen?
Meine spontane Antwort wäre ganz klar: Ich würde mich gerne beamen können. Allein die Vorstellung, meine berufliche Welt ohne Reisezeiten zu organisieren oder Urlaube ohne lange Wartezeiten am Flughafen zu erleben, finde ich großartig. Und ganz persönlich: Unsere Familie und viele enge Freunde sind über die ganze Welt verteilt – man sieht sich viel zu selten. Beamen würde Nähe plötzlich ganz einfach machen.
Meine zweite, weniger spontane und dafür umso ernstere Antwort wäre: Krebs heilen können.
Deine letzten Worte vor dem Ausstieg aus dem Aufzug sind…
Keep your stick on the ice! Eine typisch kanadische Redewendung, mit der mein Mann morgens unsere Kinder auf dem Weg zur Schule verabschiedet.
Interview: Nina Fiolka
Der Fairness verpflichtet.
Gestern. Heute. Morgen.
Als partnerschaftlich handelnde Wertegemeinschaft setzen sich die Fair Job Hotels für einen wertschätzenden Umgang, sichere Arbeitsplätze, faire Löhne, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Ausbildungen ein. Ein Wertebewusstsein auf Augenhöhe, geprägt von FAIRantwortungsbewusstsein, FAIRlässlichkeit, FAIRtrauen und der Bereitschaft zur FAIRänderung.








