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Wachstum braucht neue Antworten

Vier Länder, vier Märkte und viele gemeinsame Herausforderungen. Beim DACH-Panel des upnxt Festivals wurde deutlich: Die Zukunft der Hospitality entscheidet sich nicht an Landesgrenzen, sondern an der Bereitschaft, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Panel DACH-Hotellerie: (von links) Hans R. Amrein (Chefredakteur, Hotel Inside) im Gespräch mit Karl-Heinz Pawlizki (CEO, Arabella Hospitality), Yasmin C. Cachemaille Grimm (COO, Unisono Hospitality), Marco Weishaupt (Gründer, b_smart Selection) und Martin Winkler (CEO, Verkehrsbüros). Foto: © Marcel Schwickerath für elevatr

Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein unterscheiden sich wirtschaftlich, touristisch und strukturell erheblich. Während die Schweiz vom internationalen Premiumtourismus profitiert, Österreich auf eine starke familiengeführte Ferienhotellerie baut und Deutschland mit einer schwächeren Konjunktur ringt, gelten für Liechtenstein wiederum ganz eigene Rahmenbedingungen.

Dennoch zeigte das DACH-Panel beim upnxt Festival 2026 schnell: Es geht nicht darum, die Unterschiede zwischen den Märkten zu benennen. Die entscheidende Erkenntnis lautet vielmehr: Die Herausforderungen gleichen sich, aber die Antworten darauf sind unterschiedlich. Und: Sind die Player offen und mutig genug, voneinander zu lernen?

Steigende Kosten, sinkende Margen, Fachkräftemangel, zunehmende Komplexität und der Druck zur Digitalisierung beschäftigen die Hospitality-Branche im gesamten deutschsprachigen Raum. Besonders deutlich wurde dies beim Thema „Wachstum“. Noch vor wenigen Jahren bedeutete Wachstum vor allem Expansion: mehr Hotels, mehr Zimmer, mehr Standorte. Heute beschreiben viele Unternehmen Wachstum anders. Es geht zunehmend um skalierbare Prozesse, wirtschaftlich tragfähige Betriebsmodelle und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen profitabel zu arbeiten.

Karl-Heinz Pawlizki: Chancen erkennen statt Krisen verwalten

Karl-Heinz Pawlizki, CEO von Arabella Hospitality, zeichnete für Deutschland ein differenziertes Bild. Zwar belasten wirtschaftliche Unsicherheiten, ein rückläufiges Geschäftsreiseaufkommen und zunehmender Wettbewerbsdruck einzelne Märkte. Gleichzeitig entstehen durch Leisure-Reisen, Veranstaltungen und internationale Gäste neue Chancen. Sein Fazit: Die Lage sei anspruchsvoll, aber deutlich besser als die öffentliche Wahrnehmung häufig vermuten lasse. Entscheidend werde sein, neue Zielgruppen zu erschließen und flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren.

Martin Winkler: Wachstum braucht unternehmerische Freiheit

Martin Winkler, CEO Verkehrsbüros, ergänzte die österreichische Perspektive. Wachstum dürfe sich nicht allein an steigenden Umsätzen orientieren. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Kosten konsequent zu steuern und gleichzeitig unternehmerische Freiräume in den Hotels zu erhalten. Digitalisierung versteht Winkler dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung dafür, wirtschaftlich wachsen zu können. „Gleichzeitig braucht es General Manager, die vor Ort Verantwortung übernehmen und ihre Teams unternehmerisch führen“, so Winkler.

ZT: Digitalisierung als Voraussetzung für mehr Gastlichkeit

Digitalisierung wurde im Panel kaum als Technologiethema diskutiert. Niemand sprach davon, Menschen durch Technik zu ersetzen. Vielmehr verstanden die Entscheider Digitalisierung als Möglichkeit, Mitarbeitende von Routinen zu entlasten und ihnen wieder mehr Zeit für das zu geben, was Hospitality ausmacht: den persönlichen Kontakt zum Gast.

„Tiefe regionale Verankerung kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.“
- Marco Weishaupt, Gründer von b_smart Selection

Marco Weishaupt, Gründer von b_smart Selection, formulierte dies besonders prägnant: „Digitalisierung ist Mittel zum Zweck.“ Standardisierte Prozesse könnten automatisiert werden. Was bleibe, sei der Mensch als Resonanzkörper für den Gast. Gerade deshalb muss sich in seinen Augen  auch die Ausbildung verändern: weniger Systembedienung, mehr Kommunikationsfähigkeit und echte Gastgeberschaft. Für Weishaupt beginnt erfolgreiche Hotellerie deshalb nicht bei der Technologie, sondern bei einer klaren Positionierung und der Frage, welchen Mehrwert ein Hotel seinen Gästen bieten will.

Auch Martin Winkler beobachtet einen interessanten Effekt. Dort, wo KI und digitale Prozesse Routineaufgaben übernehmen, wünschen sich viele Mitarbeitende zunächst wieder klare Vorgaben. Gleichzeitig liege genau darin die Chance: „Hospitality muss den Menschen wieder in Situationen bringen, in denen Persönlichkeit, Empathie und situatives Handeln gefragt sind. Und eben nicht das Abarbeiten standardisierter Prozesse.“

ZT: Kleine Hotels brauchen keine Kopie der Kettenhotellerie

Ein weiterer Aspekt zog sich durch nahezu alle Wortbeiträge: Die Zukunft kleiner und mittelständischer Betriebe liegt nicht darin, große Hotelketten zu kopieren.

Vielmehr gehe es darum, das eigene Geschäftsmodell konsequent weiterzuentwickeln. Marco Weishaupt plädierte für Mut zur klaren Positionierung und warnte davor, Konzepte unreflektiert zu übernehmen. Entscheidend sei, die eigene Region zu verstehen und das Hotel konsequent darauf auszurichten. Nicht jedes Dorf brauche ein 120-Zimmer-Hotel. Vielmehr müsse das Angebot zum Standort passen. „Tiefe regionale Verankerung kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.“

Yasmin C. Cachemaille Grimm: Offenheit wird zum Erfolgsmodell

Yasmin C. Cachemaille Grimm, COO von Unisono Hospitality, betonte ebenfalls die Bedeutung neuer Betriebsmodelle. Viele familiengeführte Hotels seien heute mit einer Vielzahl an Entscheidungen konfrontiert: von Digitalisierung über Nachfolge bis hin zur Investitionsplanung. Gleichzeitig gebe es heute deutlich mehr Lösungen als noch vor zehn Jahren. Entscheidend sei jedoch der Mut, diese auch auszuprobieren, sich auszutauschen und das eigene Team in Veränderungsprozesse einzubeziehen.

Partnerschaften, Clustering oder gezieltes Outsourcing wurden zudem mehrfach als Möglichkeiten genannt, Komplexität zu reduzieren und wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Nicht jede Kompetenz muss künftig im eigenen Haus aufgebaut werden.

Hans R. Amrein, Chefredakteur von Hotel Inside

ZT: Stärke der DACH-Region wächst durch Offenheit

Das DACH-Panel unter der Moderation von Hans R. Amrein, Chefredakteur von Hotel Inside, machte deutlich: Die Zukunft der Hospitality entscheidet sich weniger an der Frage, welches Land heute die besseren Rahmenbedingungen bietet. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen bereit sind, erfolgreiche Ideen über Landesgrenzen hinweg aufzugreifen, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und Komplexität mutig zu reduzieren.

Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke der DACH-Region: nicht in ihrer Einheit, sondern in ihrer Vielfalt und der Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Autorin: Alexandra Leibfried